„Hey, wie geht’s dir?“ – „Gut.“

Zum Umgang mit seelischer Gesundheit in der Schule


 

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„Wie geht’s dir so?“, ist wohl die gängigste Frage, die man sich einander auf dem Schulhof oder dem Weg nach Hause stellt. Was antwortet man? Meistens beiläufig: „Gut“.
Aber denken wir überhaupt darüber nach, ob das stimmt? – Heißt in der Schule anwesend sein auch gesund sein oder handeln wir oft gegen den inneren Antrieb, besser zuhause zu bleiben?
Immerhin, man verpasst wichtigen Stoff. Ihn nachzuholen, dauert lange. Und eventuell steht sogar die Epochal-Note auf dem Spiel wegen des nicht gehaltenen Referats…

Wie gesund kann das für die Psyche sein?

„Gesundheit ist der Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur die Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen.“
So definiert es die Weltgesundheitsorganisation bereits 1948. Auf der Konferenz zu psychischer Gesundheit 2005, fügt sie hinzu: „Wir stellen uns hinter die Feststellung, dass es keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit gibt.“

Was dich nicht umbringt, macht dich stärker?!

Eine Fähigkeit kann für eine gesunde psychische Verfassung mitverantwortlich sein. Man nennt sie Resilienz.
In diesem Zusammenhang bedeutet das: die psychische Widerstandsfähigkeit. Also z.B:
Wie stark belastet werde ich durch die Krisen, die ich erlebe?

Hohe oder niedrige Resilienz ist in den Genen angelegt, wie so vieles. Zum Teil kann man es aber auch lernen, sich gesunde Verhaltensweisen anzueignen, um so Krisen besser durchzustehen.


Das heißt aber nicht, mit immer mehr Problemen und immer weniger Erholung auszukommen – das Gegenteil ist der Fall.
Resilienz ist, zu wissen, dass Erholung und schöne Erlebnisse notwendig sind, um weiterhin gesund zu bleiben. Die Überzeugung, dass alles gut wird, gute Freund*innen und Familie zu haben, sowie die eigenen Stärken zu kennen, ist schon sehr hilfreich.

Maike Rönnau-Böse kennt Überforderung von Lernenden in der Schule.
Nach ihr funktioniere unser Bildungssystem so, dass Wissen eine Momentabfrage bleibt.
Die Professorin für Pädagogik an der EH Freiburg erkennt: „Fähigkeiten und Stärken, die für das Leben der Kinder von Bedeutung sind, zählen weniger – es kommt vor allem auf Kompetenzen [innerhalb des Lehrplans an.]“

Um dagegen zu steuern, müssen alle an einem Strang ziehen.
Auch die Lehrkräfte und Schulleitungen. Sie sollten Lob von der Persönlichkeit der Schüler*innen abhängig machen, nicht nur von der Note.

Gibt es ein Stethoskop für die Seele?

Aus einer Studie (KIGGS, Welle 1) des Robert-Bosch-Instituts gehen folgende Zahlen hervor: 11,5% der Mädchen und 17,8 % der Jungen zwischen 11 und 17 Jahren sind „verhaltensauffällig“ bzw. grenzwertig auffällig.

Darunter fallen am häufigsten Verhaltensprobleme, emotionale Probleme und Hyperaktivitätsprobleme. 21,9% haben Symptome einer Essstörung.

Und woran erkennt man nun Krankheiten? 
„Das“ Instrument gibt es in der Psychologie nicht. Man kann nichts auf das Gehirn legen und bäm – weiß man Bescheid, was der*die Patient*in hat. Aber es gibt bei jeder Krankheit Anhaltspunkte dafür, wann diese beginnt:

Eine psychische Erkrankung ist eben das, was sie ist. Eine Krankheit. Jede*r kann sie bekommen, fast wie eine Grippe. Man kann sich nicht dagegen impfen, aber glücklicherweise lernen, wie man auf sich achtet, und - wenn man sie bekommt – sie behandeln.

Denn wenn psychische Probleme ignoriert werden, können sie schnell chronisch werden – und es wird damit schwerer, sie zu lösen.
Deshalb lohnt es sich, schon frühzeitig einen Arzttermin oder Gespräch bei einem*einer Therapeut*in anzufragen und sich nicht entmutigen zu lassen, falls man mit Wartezeit rechnen muss.

Immerhin stellen 80 Prozent von 250 Studien fest, dass Psychotherapie wirksam und für viele die einzige Option ist, um mit der richtigen Therapie wieder gesund und glücklich zu werden.

Wer glaubt, dass das Gespräch mit einem*einer Psychotherapeut*in nur was für „Verrückte“ ist, den frage ich: Würdest du nicht auch mit einer gebrochenen Hand zum Orthopäden gehen?

Viele Menschen schweigen, weil sie Angst haben, dass ein Gespräch über Selbstmord Leute überhaupt erst auf die Idee dazu bringen würde. Das ist aber keineswegs so.

Können wir nicht ganz normal über solche Krankheiten und Probleme reden, wenn sie doch so häufig sind?

Einfach mal drüber quatschen!

In der Schule lernen wir das bislang nicht wirklich - im verpflichtenden Lehrplan sucht man Aufklärung über seelische Gesundheit nämlich vergeblich.
Die Schultage der Initiative „Verrückt? Na und!“ füllen genau diese Lücke: Ab der 8. Klasse kann man sich ein Team in die eigene Schule einladen.
Dann geht es u.a um Fragen wie: Was brauchen wir, um uns in der Schule wohl zu fühlen? Worunter leiden Schüler*innen, vielleicht sogar in erschreckendem Ausmaß?
Dazu kann alles zählen; Mobbing, Suchterfahrung, Leistungsdruck.
Aber nicht nur das Negative treten sie breit: Um psychischen Krankheiten vorzubeugen, geht es auch darum, wie man sich um sich selbst kümmern kann - was gut tut, um seelisch gesund zu bleiben.

Meist sind junge Erwachsene Teil des Teams, die selbst schon einmal erkrankt waren. Sie berichten von ihren Erfahrungen und stehen für Fragen zur Verfügung – und nicht zuletzt als Beispiel dafür, wie wahrscheinlich es ist, zu erkranken – und wieder vollkommen gesund zu werden.

Mit dabei sind auch sogenannte fachliche Experten, wie z.B Sozialarbeiter*innen und Psycholog*innen/Psychiater*innen.

 „Du musst Phasen, so wie grade, nicht ertragen – nicht mal heimlich
Hör nicht auf die Zweifel, denn du bist nicht alleine“ – Grapefruit, Julia Engelmann

Aber das dann irgendwo erzählen?

Vielleicht ist es ja erstmal nicht schlimm, in der Schule zu fehlen, aber früher oder später kommt die Frage: Was hast du denn, warum fehlst du ständig?
Und die Wahrheit bringt so einiges mit sich. Entweder wird man mit Samthandschuhen angefasst oder von anderen komplett ignoriert - aus Angst etwas Falsches zu tun.
Natürlich gibt es auch die Lehrkräfte, die nicht so ganz glauben, was man sich da „ausgedacht“ hat und einem das Schwänzen unterstellen.

Umso wichtiger, dass jede*r „Eisbrecher“ für seelische Gesundheit wird. Jede*r kann dabei helfen, das Abstempeln zu beenden, sich weiterzubilden und psychisch kranken Menschen mit Verständnis zu begegnen.

Bei meiner Recherche habe ich selbst gemerkt, wie schwierig es ist, verlässliche Infos zu finden.
Deshalb sind Prävention und Information, wie es Verbände wie Freunde fürs Leben e.V und die Initiative „Verrückt? Na und!“ es machen, unglaublich wichtig.

Dann werden sich Vorurteile und Halbwissen um psychische Krankheiten hoffentlich bald zurückziehen und wir werden irgendwann ganz entspannt nach Antidepressiva fragen können, ohne an der Rezeption zu flüstern und uns umzuschauen.

Bleibt aufgeweckt!

Eure Sara

Dir oder einer*m Freund*in geht es schlecht und du weißt nicht mehr weiter?
https://www.frnd.de/wo-findet-man-hilfe/
http://www.irrsinnig-menschlich.de/hilfe/

Für Rheinland-Pfalz findet ihr unter diesem Link https://schulpsychologie.bildung-rp.de/schulpsychologische-beratungszentren.html alle Schulpsycholog*innen, bei denen ihr Beratung ersuchen könnt.

Und hier noch ein persönlicher Buchtipp für alle:
"Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben" von Matt Haig.

 

Spannende Fragen; spannende Antworten?!

Was denkt ihr, helfen Schulprogramme wie "Verrückt? Na und!" oder muss in der Schule generell psychische Gesundheit unterrichtet werden?
Glaubt ihr, die Schule trägt dazu bei, dass es Menschen psychisch schlechter geht?
Wie fändet ihr es, wenn ihr von der Erkrankung einer*s Schulfreund*in erfahren würdet?

Diskutiert jetzt mit!

Klick! 🙂

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