Mein Wecker steht auf 5 vor 12? Hat die Bildungspolitik verschlafen!?


Bildungspolitik ist ein wichtiges Thema für alle.
Bildung ist schließlich etwas, was die Zukunft unseres Landes bestimmen und gleichzeitig sichern soll.
Doch was heißt "Bildung" eigentlich genau?
Eine einheitliche Definition von Bildung gibt es nicht -
klar, denn sie ist ja auch ein breites, sich schnell veränderndes Thema. Aber der Versuch einer Beschreibung des Wortes "Bildung" von Eleanor Roosevelt gefällt mir ganz gut:

"Niemand kann alles lernen, was er wissen muss. Bildung gibt uns das notwendige Handwerkszeug, um das Lernen zu erlernen. Ziel aller Bildung (...) ist es, dass wir uns jederzeit das Wissen aneignen können, das wir brauchen."

Im Duden findet man unter Bildung:

    1. das Bilden; Erziehung
    2. das Gebildetsein; das Ausgebildetsein; erworbenes Allgemeinwissen
    3. (seltener) gutes Benehmen
    1. das Bilden; das Formen

Es geht also beim Begriff Bildung immer irgendwie darum, etwas herzustellen - ob dies nun Wissen oder Fähigkeiten sind, oder eine Art der Erziehung oder charakterlichen Entwicklung eines Menschen.


Wer hat mit der Bildungspolitik angefangen?

Nun, zugegeben, am Startpunkt beginne ich hier nicht. Es ist aber sowieso davon auszugehen,
dass seit Beginn der Menschheit immer eine Form von Bildung von statten ging.
Ich möchte mich hier beschränken auf die Bildung des Schul-/Bildungssystems, das wir heute kennen.

Und die begann mit ihm hier:

Wilhelm von Humboldt (*1767-1835)

Ein studierter Mensch aus Tegel (in der Nähe von Berlin) begründete schon damals was heute immer noch der Kern unserer Auffassung von guter Bildung ist.

Unser heutiges Schulsystem fußt immer noch auf den Ideen, die aus Preußen stammen - also schon ziemlich lang!

Comic von Daniel Al-Kabbani via Flickr , Creative-Commons Lizenz

Humboldt schwärmte für die Idee, dass Bildung nicht mehr stände- und statusabhängig sein darf.
Ja, selbst "einfache Bauern" sollten Zugang zu Bildung - und der Lehre des Altgriechischen haben (eine Sprache, die nur den Adligen vorbehalten war).
Für ihn war der Begriff der Allgemeinbildung entscheidend: Es sollte sich nicht nur auf das angestrebte Studienfach konzentriert werden, sondern möglichst viele andere Einflüsse in das Lernen einbezogen werden. Die Philosophie war für ihn eine Art "Überblicksfach" - die alles verbinden sollte.
Schließlich ist die Übersetzung von Philosophie: die Liebe zur Weisheit.

Er stellte die Behauptung auf, dass sich der Charakter und die "Gesinnung" bilden müsse - also nicht nur Faktenlernen.
Bisher wurde in Preußen darauf geachtet, dass das Volk gehorsam ist und nicht darüber nachdenkt, was die Regierung so anstellt.
Eine Bildungsreform sollte dafür sorgen, dass sich das nun ändert und dafür selbständigere Bürger erzogen werden.

Und was hat er verändert?

Humboldt wurde mit 42 Jahren zum Leiter der "Sektion für Kultus und Unterricht" im preußischen Innenministerium benannt, wo er seine Ideen zum Bildungssystem einfließen ließ.
So entwarf er ein dreistufiges Schulsystem, das mit der Volksschule begann, über das Gymnasium für alle weiterging und bei der freiwilligen Universitätslaufbahn endete.
Auch das Schuljahr, den Wochenstundenplan und die Gliederung der Schulverwaltung hat er entwickelt. Was ihn vor allem berühmt machte, ist aber die Gründung der Berliner Universität.

Leider lebte der Gute in einer aufgeregten Zeit, sodass er nur von 1809-1810 in seinem Amt war.
Das hing damit zusammen, dass die geschichtlichen Hintergründe seine Entwürfe nur schwer umsetzbar machten (Zunftwesen, Bauernkinder werden als Arbeitskräfte gebraucht, Schulbildung kostet sehr viel Geld, Kirche will ihre Machtstellung als Bildungsmonopol behalten),
als auch der Gegenwind seiner Kollegen, die nicht mit seiner liberalen politischen Einstellung einverstanden waren.

So zögerte sich die Umsetzung hinaus, die dann aber durch seinen Nachfolger Nicolovius, mit einigen Zugeständnissen an die Zweifler in seinen Reihen, möglich wurde.

Und wie wird Bildungspolitik heute gemacht?

"Bildung ist Ländersache" - jedes der 16 Bundesländer hat eigene Gesetze. [Bild zeigt eine leere Deutschlandkarte, die in die Grenzen der Bundesländer aufgeteilt ist.]
Das bedeutet, dass die Landesregierungen beispielsweise ein Schulgesetz erlassen.
Dort sind solche Sachen geregelt wie:

  • Wofür ist Schule da?
  • Welche Institutionen und Vertretungen innerhalb der Schule gibt es?
  • Wie lange muss ein*e Schüler*in die Schule besuchen?

Und vor allem gibt es ganz viele Paragraphen zum Thema Finanzierung; wie wird der Bau eines Schulgebäudes finanziert, aber auch die Lernmittel wachsen schließlich nicht auf Bäumen.

Unser Schulgesetz in Rheinland-Pfalz wurde im Jahre 2004 von der Großen Koalition im Landtag verabschiedet und ist hier online verfügbar.

Aber wie... darf Rheinland-Pfalz jetzt sein eigenes Ding machen und "Weinkunde" als Unterrichtsfach einführen?

(An der Hochschule Ludwigshafen kann man tatsächlich Weinbau studieren.)

Mal abgesehen davon, dass dieses Szenario doch recht unwahrscheinlich ist, gibt es da noch eine weitere Einrichtung, die als Spieler in der Bildungspolitik hinzukommt.

Das wäre die KMK (Kultusministerkonferenz) - die im Wesentlichen für alle Beteiligten in der Bildung, also Schüler*innen, Studierende, aber auch Lehrende und Forschende arbeitet.

Gleichzeitig wollen sie es schaffen, eine bessere Vergleichbarkeit der Leistungen zwischen den Bundesländern zu schaffen, ohne den Bildungsföderalismus aufzulösen.
Angestrebt wird, dass Bildungsabschlüsse in allen Bundesländern gleichwertig sind. Das ist bisher nicht der Fall, denn die Abiturregelungen sind teilweise so unterschiedlich, dass ein Abiturient, der in Hamburg eine noch befriedigende Note hat, in Bayern gar nicht zur Prüfung zugelassen worden wäre.

Rechtlich gesehen sind die Beschlüsse der KMK nicht bindend.
Da jedoch aus jedem Bundesland Vertreter*innen in die Konferenz geschickt werden, die im Interesse ihres Landes handeln, ist davon auszugehen, dass diese Beschlüsse eine Übereinstimmung haben.

Für die Landesschüler*innenvertretungen der Bundesländer gibt es eine Entsprechung: die BSK (Bundesschülerkonferenz), in der verschiedene LSVen in Deutschland Mitglied sind.


Was kann ich tun, um mich bildungspolitisch zu beteiligen? Weil ich noch nicht 18 bin, kann ich mich nicht in den Landtag wählen lassen...

Kein Problem! Auch wenn du noch nicht gewählt werden kannst, gibt es viele Möglichkeiten, sich an der Bildungspolitik zu beteiligen!

Denn wie trifft die Politik denn Entscheidungen?

Zu allererst gibt es die Möglichkeit, eine Petition zu schreiben.

Diese kann Gesetze und Verordnungen betreffen und wird vom Petitionsausschuss des Landtages bearbeitet, sofern sie sich an die Arbeit dessen richtet. Wenn sie (falls gewünscht und von öffentlichem Interesse), veröffentlicht wird, können andere mitdiskutieren und sie unterzeichnen, um ihre Wichtigkeit zu verdeutlichen.

Wer keine Lust darauf hat, Unterschriften zu sammeln oder kein konkretes Anliegen hat, der kann sich organisieren:

Als vom Gesetz anerkannte Landesvertretung der Schüler*innen in Rheinland-Pfalz ist die LSV die erste Anlaufstelle um Bildungspolitik zu verändern.
In Kreis-SVen und Stadt-SVen kommen Leute aus deinem Kreis/deiner Stadt zusammen.
Dort gibt es dann Ideen für Projekte, Austausch über Probleme an Schulen und es ist viel einfacher, politisch zu agieren, wenn man in einer Gruppe ist.

Auf der zweimal im Schuljahr stattfindenden Landesschüler*innenkonferenz erwarten dich Workshops, politische Diskussionen und natürlich Antragsbehandlung. Jede*r Schüler*in in Rheinland-Pfalz kann Anträge an die LSK stellen, für die sie sich im Rahmen ihres bildungspolitischen Mandats einsetzen soll. Du kannst also mitbestimmen, welche politischen Themen Platz finden!

Also ähnlich wie eine Petition, nur dass du keine Unterschriften dafür brauchst (sondern Ja-Stimmen auf der LSK.)

Zusammen Politik machen ist erfolgversprechender!

Alternativ kannst du dich auch (zusätzlich) in einer Jugendpartei engagieren, viele von ihnen beschäftigen sich auch in sogenannten LAGs mit dem Thema Bildung.

Natürlich kannst du auch wie ich das hier tue, deiner journalistischen Natur nachgeben und informieren, kritisieren und mobilisieren was das Zeug hält.

Mit einem Blog oder einer Kolumne in der Schüler*innenzeitung kannst du deine Meinung darlegen, erklären und damit anderen zeigen, wie sie sich selbst einsetzen können oder ihnen helfen, zu Infos Zugang zu bekommen, die sie sonst nicht bekommen würden.

Journalismus kann vielseitig sein!

Ein Hoch auf das Internet, das uns dabei hilft, diese Meinungen schnell zu verbreiten.

Aber dran denken: Fakten vorher immer doppelt checken!

Es gibt zahlreiche Quellen, die dich zu verschiedensten politischen Themen informieren.
Nicht alle sind gleich gut - im Sinne von Recherche, Neutralität und Themenauswahl.

Ich finde es am besten, zu einem Thema von mehreren Quellen Infos zu beziehen.

Da es aber zu viele sind, um sie alle aufzuzählen, habe ich eine endliche Auswahl von den Medien, die ich gerne nutze, unter diesem Link bereitgestellt.

Bleibt aufgeweckt!
Eure Sara

 

Jetzt liegt es an dir zu entscheiden!

Bist du zufrieden mit dem Bildungssystem in Deutschland?
Ist es fast 5 vor 12 und möchtest du was tun?
Oder glaubst du, es sei nichts mehr zu retten?
Diskutier jetzt mit!

Klick! 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.