Auch ein Rückblick kann dich nach vorne bringen! (Der letzte Artikel von „Sara weckt auf“)

An diesem Punkt möchte ich kurz stehen bleiben, mich umdrehen und ansehen, was in den letzten vier Monaten eigentlich passiert ist. Kommt ihr mit?

Los ging es im Einführungsartikel mit der Frage, was Bildung eigentlich ist und wie die Politik auf sie und ihre Institutionen (allen voran Schule) Einfluss nimmt.
In Rheinland-Pfalz wird das vom Schulgesetz bestimmt, vom Bildungsministerium ausgeführt und von politischen Verbänden wie Gewerkschaften, Jugendvertretungen und Bildungsorganisationen versucht zu lenken.
Die Beschäftigung mit dem Thema hat mir einen Denkanstoß gegeben: Wie erklärt man Bildung?

Auch über den Beitrag hinaus habe ich immer wieder kritisch den Bildungsbegriff hinterfragt.
So hätte es Humboldt, großer Vordenker in Sachen „Bildung“ sicher gewollt, hat er doch die Debatte ins Rollen gebracht –
bis ins 21. Jahrhundert!

 

Zusätzlich habe ich mich bei diesem Artikel an einem Rundumschlag versucht, der Tipps geben möchte, wie und wo man sich engagieren kann. Trotzdem ist er nicht vollständig und während meines gesamten FSJ sind mir immer mehr Orte begegnet, an denen man sich engagieren kann.

 

Dann folgte die große Premiere, mein erster Artikel zum ersten Leitthema: „Demokratisierung“.
Ich schrieb darüber, wieso wir in einer Demokratie leben;
wo man demokratische Werte in der Schule wiederfindet und ging hart ins Gericht mit dem Schulsystem, das seinen Anspruch in meinen Augen nicht zur vollsten Zufriedenheit erfüllt. Es gibt zu wenig Schüler*innenbeteiligung. Gleichzeitig fand ich über tolle Projekte heraus, die sich für Demokratie an Schulen stark machen,
wie die Modellschulen für Demokratie und Partizipation.

Für meinen zweiten Artikel fuhr ich auf meinen ersten richtigen Außentermin. Definitiv ein Highlight!

Denn so durfte ich mich als Fotografin, Hospitantin und Reportagenschreiberin ausprobieren und das alles inmitten eines beeindruckenden SV-Seminars. Die Inhalte, aber auch die Atmosphäre waren eine völlig neue Erfahrung für mich.
Dabei habe ich mit den Teamenden Jette und Jonas über ihren persönlichen Bezug zu SV-Arbeit und Schule gesprochen und gesehen, wie gut Demokratie an Schulen funktionieren kann.
Die SV vor Ort teilt diese Meinung, was nicht zuletzt an den beiden engagierten Lehrkräften Frau Wasem und Herr Schran liegen könnte.

„Wir müssen Schüler*innen zeigen, dass ihre Meinung auch Macht hat.“ – Frau Wasem, Verbindungslehrerin

Der dritte Artikel brachte ein neues Leitthema mit: Seelische Gesundheit.
Es ist ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt und von dem man in den allgemeinen Medien immer noch nicht genug liest.
Die Arbeit daran war fordernd, sie erfreute mich jedoch auch zu gleichen Teilen.

Ich bin vor allem der Frage auf den Grund gegangen, warum wir kaum über seelische Krisen sprechen. Außerdem habe ich mich mit den häufigsten psychischen Krankheiten auseinandergesetzt und den Begriff „Resilienz“ erklärt.

Später bin ich auf den Verein „Verrückt? Na und!“ gestoßen und habe mich von seinem Konzept begeistern lassen.
Er trägt seinen Teil dazu bei, dass seelische Gesundheit auch im Schulunterricht langsam ein Thema wird. Der Ansatz ist klasse: „Verrückt? Na und!“ bringt Leute, die selbst psychische Erkrankungen überwunden haben in den Schulunterricht ein.
So helfen sie dabei, Vorurteilen zu begegnen und Wissen weiterzugeben.

Es war mir wichtig, mit dem Beitrag zu zeigen, dass wir keine Angst oder Scham vor psychischen Erkrankungen haben müssen.

Hier in Mainz habe ich in Herr Göbel, Mitarbeiter des „unplugged“ einen solidarischen Gesprächspartner gefunden.

Das Interview war das erste seit meiner Zeit im „Karolinen Kurier“, der Schüler*innenzeitung meiner alten Schule. Zugegebenermaßen, das setze mich ein wenig unter Druck – inklusive der Unsicherheit, ob die Technik auch zuverlässig funktionieren würde. Aber am Ende lief alles glatt.

Herr Göbel hat Einblicke in seinen Beratungsalltag gegeben und mit mir über politisch-gesellschaftliche Missstände in Bezug auf psychische Krankheiten diskutiert.
Letztendlich ist es sehr wichtig sich in einer Krise jemandem anzuvertrauen - wohl für viele Menschen ein schwerer Schritt, der sich aber lohnt.
Und die meisten Menschen, die abfällig über psychische Krankheiten sprechen, wissen einfach nicht genug darüber.

Das Interview hatte so viele wertvolle Infos, zu viele für nur einen Artikel – also machte ich zwei daraus. Schließlich läuft das bei den besten Blockbustern so, nicht wahr? 🙂

„Wir schauen, dass wir die Umstände ändern.
Aber oft ist das einfach nicht möglich: die Schule ist so,
wie sie ist.“ – Herr Göbel

Der sechste Artikel folgte mit schnellen Schritten und das dritte Thema offenbarte sich.

Der „Lehrplan der Zukunft“ ist ein sehr spannendes und schwer abzugrenzendes Thema. Deshalb ließ er bei den Zukunftsvisionen viel kreativen Spielraum.

Zuerst einmal musste ich eine Definition für einen „sinnvollen Lehrplan“ finden und habe mich über Lehrplanerstellung schlau gemacht. Mir war vorher nicht bewusst, wie viele Diskussionen es zu dem Thema bereits gibt und in welch unterschiedliche Richtungen sie münden.

Herausgefunden, was der „beste“ oder „zukunftswürdigste“ Lehrplan ist, habe ich nicht.
Allerdings weiß ich jetzt, dass wir Schule auf der Stelle umdenken müssen, wenn wir die Herausforderungen von Digitalisierung und Globalisierung bestehen wollen.

Dabei lohnt sich ein Blick nach Finnland (und in andere Bildungssysteme). Allerdings drängt sich auch die Frage auf, ob wir nicht wirklich unseren Schüler*innen mehr Verantwortung für ihr Lernen geben können.

Das Fach „Glück“ hat mich direkt begeistert – ich musste es einfach zum zweiten Artikel des Monats Mai und dem siebten Artikel insgesamt machen. Ich freue mich, dass es die einzige Buchvorstellung hier war, denn Teile des Buchs waren schon anstrengend zu lesen.

Ich nahm durch das Buch teil an den Erfahrungen von Autor Ernst-Fritz Schubert, der 2007 als Erster das Schulfach Glück in Heidelberg begründet hat. Die „Glücksschüler*innen lernten etwas über Vertrauensbildung, Ziele erreichen, Sport und gesunde Ernährung. Es machte sie auch glücklich, das Fach ins Abitur einbringen zu können.

So schnell sind wir am Schluss, bei meinem vierten Thema angekommen: Inklusion.
Anfangs war es ein schwieriger, mir unbekannter und irgendwie auch nicht elegant-klingender Begriff, mit dem ich absolut nichts anfangen konnte.

Deshalb ging es auch ganz am Anfang los: Was bedeutet Inklusion? Was unterscheidet sie von „Integration“ und warum brauchen wir sie?
Es stellte sich heraus: inklusive Bildung ist ein Menschenrecht. Näher untersucht habe ich dann Beispiele, wie diese umgesetzt werden kann und wie manche Lehrkräfte gute Inklusion schon im Unterricht verankern.

Ich weiß, dass es in ganz Deutschland Probleme mit Inklusion gibt und vermute, dass das wohl an fehlender Finanzierung hängt.

Abschließend stellte ich fest: das Thema ist vollkommen meins.

Dann wollte ich natürlich im nächsten Artikel, dem neunten, wissen, was eine Schülerin der Förderschule und ihre Lehrerin aus praktischer Seite über Inklusion denken.

Sie sind beide dagegen, weil sie glauben, dass Inklusion zwanghaft umgesetzt wird. Gleichzeitig fehlen dabei die Rahmenbedingungen dafür. Damit sind zum Beispiel Räume, Therapiemöglichkeiten, aber auch kleinere Klassen gemeint.
Andererseits haben sie auch die Erfahrung gemacht, dass der Kontakt von beeinträchtigten Schüler*innen zu Schüler*innen ohne Beeinträchtigung fehlt. Das führt dazu, dass die Schule selbst im eigenen Ort nicht bekannt genug ist.

Dafür macht die Schule coole Projekte und Aktionen!

Ich glaube es stimmt, dass man sich als Nicht-Behinderte*r kaum damit auseinandersetzt. Auch ich gehe nach dem Kennenlernen der Schule und ihrer Schüler*innen anders an das Thema heran.
Weniger überfordert, weniger unerfahren.

„Utopie bleibt Utopie wenn alle sagen,
es sei „nur“ Utopie.“ – Gerald Dunkl

Wer daran glaubt, dass die Welt schlecht ist, wirft mir vielleicht vor, dass viele der Ansätze in diesem Blog Utopien seien.

Utopien sind laut Duden ein „undurchführbar erscheinender Plan“, also eine Nutzlosigkeit, eine Sache, die nicht funktionieren wird.
Gleichzeitig definiert der Duden sie als „Ideen ohne reale Grundlage“. Wenn man länger darüber nachdenkt, heißt das, dass man die Grundlage erst schaffen muss, um Ideen durchführbar zu machen.

Viele sagen, „ich bin ja nur ein kleines Licht, wenn nur ich etwas tue, dann bringt das nichts.“
Aber das ist in meinen Augen falsch, denn wir Menschen haben die wundervolle Fähigkeit, uns zu Gruppen zusammenzuschließen. So wird aus diesem einen Lichtlein ganz schnell ein Feuer.
Nur muss man dann selbst dieser entzündende Funke sein.

Auch hier sieht man nur ein leichtes Brennen, kaum eine Flamme, aber trotzdem nennen wir sie Wunderkerze.

Schlussendlich bin ich froh, die Gelegenheit für dieses Projekt bekommen zu haben.
Es hat mir Spaß gemacht, mehr journalistische Erfahrung im Schreiben, Interviews führen und Fotografieren zu sammeln und dabei spannende Leute kennenzulernen.
Ich hab sehr viel gelernt dabei, vor allem: geduldig zu sein.

Natürlich hätte ich Dinge besser machen können und ich weiß längst nicht alles, aber ich fühle mich richtig motiviert.

Es ist auch nicht selbstverständlich, dass man eigene Ideen mit so viel Zeit und Kreativität ausleben kann, wie ich das konnte und dafür bin ich dankbar.
Jede*r einzelne Beteiligte*r meiner Einsatzstelle hat mich dabei hervorragend unterstützt. Danke. 🙂

Danke auch an meine ganzen Gesprächspartner*innen in den Interviews und danke an das Kulturbüro Rheinland-Pfalz, sowie der FSJ_digital Koordination.

Auch du als Leser*in hast einen großen Beitrag zu all dem geleistet – danke!

Jetzt interessiert mich natürlich, was dir gefallen oder nicht gefallen hat.
Das hilft mir, mein Projekt gut zum Abschluss zu bringen.
Dafür habe ich einen kurzen Fragebogen erstellt, den du hier findest. Die Umfrage ist anonym, das heißt, du kannst alles loswerden, was du möchtest.

Hier kannst du dir vorher nochmal die Datenschutzerklärung von SurveyMonkey durchlesen:

(Ein bisschen macht es mich traurig, diesen Satz das letzte Mal zu schreiben…):

Bleibt aufgeweckt!
Eure Sara

Klick! 🙂